Spanien könnte schon bald Anklage gegen vier frühere Aufseher des ehemaligen
oberösterreichischen KZ Mauthausen erheben und deren Auslieferung
beantragen.
Der spanische Richter Ismael Moreno vom Nationalen Gerichtshof in Madrid hat
am Montag mit der Anhörung der ersten Zeugen, zwei spanischen KZ-Überlebenden,
begonnen.
Anklage von mehreren KZ-Überlebenden
Den heute über 80-jährigen KZ-Aufsehern werden Verbrechen gegen
die Menschlichkeit zur Last gelegt. Obwohl sich ihre Taten nicht
in Spanien ereignet haben, akzeptierte das Madrider Gericht die
Anklage von mehreren spanischen KZ-Überlebenden bzw. deren Hinterbliebenen,
da in Spanien das Prinzip der universellen Rechtssprechung gilt.
In den Konzentrationslagern Mauthausen, Sachsenhausen
und Flossenbürg, in denen Iwan bzw. John Demjanjuk (88), Anton
Tittjung (83), Josias Kumpf (83) und Johann Leprich (82) als Aufseher
arbeiteten, starben mindestens 4.300 der mehr als 7.000 spanischen
Gefangenen, begründete Richter Moreno die Zuständigkeit der spanischen
Justiz und die Aufnahme des Verfahrens.
Wärter "Iwan der Schreckliche"
Die vier Angeklagten gehören nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums in
Jerusalem zu den meistgesuchten Nazi-Verbrechern der Welt. Allen voran der
gebürtige Ukrainer Demjanjuk, der bereits 1988 in Jerusalem wegen Teilnahme
an Massenmorden an Juden in verschiedenen Vernichtungslagern zum Tode verurteilt
wurde.
Das Urteil wurde aber 1993 aufgehoben, weil es
Zweifel gab, dass es sich bei ihm wirklich um den berüchtigten
Wärter "Iwan der Schreckliche" handelte.
Sowohl Kumpf als auch die anderen KZ-Aufseher verheimlichten
bei ihrer Einwanderung in die USA in den 60er Jahren ihre Nazi-Vergangenheit.
Nazi-Vergangenheit verheimlicht
Wie die anderen drei Nazi-Verbrecher lebte auch Demjanjuk bisher
in den USA, die ihm letztlich die Staatsbürgerschaft aberkannten,
den Ukrainer bisher aber nicht deportieren konnten, weil sich
kein Land bereiterklärte, ihn aufzunehmen.
Auch dem gebürtigen Serben Josias Kumpf erkannten
die USA die Staatsbürgerschaft ab und schoben ihn vor wenigen Tagen
- am 19. März - nach Österreich ab. Die US-Behörden beriefen sich
dabei auf ein mit Österreich abgeschlossenes "Rücknahmeabkommen" für jene Personen, die sich die Einreisebewilligung erschlichen haben.
Sowohl Kumpf als auch die anderen KZ-Aufseher
verheimlichten bei ihrer Einwanderung in die USA in den 60er Jahren
ihre Nazi-Vergangenheit. Alle vier waren 1942 den SS-Totenkopf-Verbänden
beigetreten und arbeiteten seit 1943 als Wächter in verschiedenen
KZ, unter anderem in Mauthausen und im ukrainischen Arbeitslager
Trawniki.
ooe.orf.at
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