30.03.2009 ooe.orf.at
Spanische Anklage gegen vier KZ-Aufseher

Spanien könnte schon bald Anklage gegen vier frühere Aufseher des ehemaligen oberösterreichischen KZ Mauthausen erheben und deren Auslieferung beantragen.


Der spanische Richter Ismael Moreno vom Nationalen Gerichtshof in Madrid hat am Montag mit der Anhörung der ersten Zeugen, zwei spanischen KZ-Überlebenden, begonnen.

Anklage von mehreren KZ-Überlebenden
Den heute über 80-jährigen KZ-Aufsehern werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Obwohl sich ihre Taten nicht in Spanien ereignet haben, akzeptierte das Madrider Gericht die Anklage von mehreren spanischen KZ-Überlebenden bzw. deren Hinterbliebenen, da in Spanien das Prinzip der universellen Rechtssprechung gilt.

In den Konzentrationslagern Mauthausen, Sachsenhausen und Flossenbürg, in denen Iwan bzw. John Demjanjuk (88), Anton Tittjung (83), Josias Kumpf (83) und Johann Leprich (82) als Aufseher arbeiteten, starben mindestens 4.300 der mehr als 7.000 spanischen Gefangenen, begründete Richter Moreno die Zuständigkeit der spanischen Justiz und die Aufnahme des Verfahrens.

Wärter "Iwan der Schreckliche"
Die vier Angeklagten gehören nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem zu den meistgesuchten Nazi-Verbrechern der Welt. Allen voran der gebürtige Ukrainer Demjanjuk, der bereits 1988 in Jerusalem wegen Teilnahme an Massenmorden an Juden in verschiedenen Vernichtungslagern zum Tode verurteilt wurde.

Das Urteil wurde aber 1993 aufgehoben, weil es Zweifel gab, dass es sich bei ihm wirklich um den berüchtigten Wärter "Iwan der Schreckliche" handelte.


Sowohl Kumpf als auch die anderen KZ-Aufseher verheimlichten bei ihrer Einwanderung in die USA in den 60er Jahren ihre Nazi-Vergangenheit. Nazi-Vergangenheit verheimlicht
Wie die anderen drei Nazi-Verbrecher lebte auch Demjanjuk bisher in den USA, die ihm letztlich die Staatsbürgerschaft aberkannten, den Ukrainer bisher aber nicht deportieren konnten, weil sich kein Land bereiterklärte, ihn aufzunehmen.

Auch dem gebürtigen Serben Josias Kumpf erkannten die USA die Staatsbürgerschaft ab und schoben ihn vor wenigen Tagen - am 19. März - nach Österreich ab. Die US-Behörden beriefen sich dabei auf ein mit Österreich abgeschlossenes "Rücknahmeabkommen" für jene Personen, die sich die Einreisebewilligung erschlichen haben.

Sowohl Kumpf als auch die anderen KZ-Aufseher verheimlichten bei ihrer Einwanderung in die USA in den 60er Jahren ihre Nazi-Vergangenheit. Alle vier waren 1942 den SS-Totenkopf-Verbänden beigetreten und arbeiteten seit 1943 als Wächter in verschiedenen KZ, unter anderem in Mauthausen und im ukrainischen Arbeitslager Trawniki.

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